Triple-Play in Hamburg auf Basis von Ethernet
Man schrieb das Jahr 1999. Friedrich von Schiller hatte sein letztes Drama bereits vor 195 Jahren abgeschlossen als die Stadtwerke Norderstedt beschlossen, ein neues Tätigkeitsfeld zu erschließen und in ihrer Stadt ein flächendeckendes Breitbandnetzwerk zu verlegen. Ziel war dabei von Anfang an, den Kunden im Stadtbereich Fernsehen, Internet und Telefonie aus einer Hand über ein modernes Netzwerk anzubieten. Dies war die Geburtsstunde des Stadtnetzbetreibers wilhelm.tel, der sich mit Schillers schweizerischem Freiheitskämpfer seitdem den Namen teilt.
Ein großer Meilenstein in der mehr als zehnjährigen Erfolgsgeschichte des Carriers fiel in das Jahr 2005. Damals erhielt das noch junge Unternehmen von mehreren Wohnungsbaugesellschaften den Auftrag, über 70.000 Hamburger Wohnungen mit Multimedia-Diensten zu versorgen. "Wir hatten bereits sehr früh auf Ethernet als Transportmedium für unser Stadtnetz gesetzt", erinnert sich Heiko Liebscher, CTO von wilhelm.tel zurück. "Jetzt musste die Technologie zeigen, dass sie auch in diese Größenordnungen skaliert." Der Beweis dafür ließ nicht lange auf sich warten. Denn mit Hilfe des Netzwerkausrüsters Extreme Networks erweiterte wilhelm.tel sein Stadtnetz von Norderstedt auf Hamburg und verband über dessen Backbone insgesamt 21 Points-of-Presence (POP) über drei 10-GBit-Ethernet-Ringe miteinander. Über dieses Netzwerk versorgte der Carrier seitdem seine Kunden mit 100-MBit-Internet, analoge Telefonie oder ISDN sowie mit mehr als 280 Fernsehkanälen. Zum Einsatz kamen im Backbone die Provider-Aggregation-Switches BlackDiamond 12000 sowie Stacks aus Summit-X450-Switches in den POPs.
137.000 neue Kunden in sechs Monaten
Nur drei Jahre später sah sich wilhelm.tel mit der nächsten großen Herausforderung konfrontiert. Denn 2008 erhielt das Unternehmen von der gemeinnützigen Siedlungs-Aktiengesellschaft Altona (SAGA) den Auftrag, insgesamt 137.000 über ganz Hamburg verteilte Wohneinheiten an sein Stadtnetz anzuschließen. "Für uns war von Anfang an klar, dass auch diese Kunden alle Internet mit 100 MBit/s bekommen sollen", erklärt Liebscher. "Dazu mussten wir ein neues Ethernet-Stadtnetz aufbauen, das über die gesamte Fläche von Hamburg verteilt rund 1.100 Gigabit-Ethernet-Ports in den POPs für die Übergabepunkte der Hausanschlüsse zur Verfügung stellt". Gleichzeitig galt es, die über 75.000 Bestandskunden sowie mehr als 4.000 bestehenden Ethernet-Switches des Bestandsnetzes entweder in das neue Netz zu integrieren oder auf neue Switches zu migrieren.
Hohe Portdichte gefragt
Auf der Suche nach geeigneten Produkten für das neue Netzwerk prüfte wilhelm.tel zunächst die Angebote aller relevanten Hersteller. Ein wichtiges Kriterium war dabei eine möglichst hohe Portdichte in den Aggregation-Switches, um in den POPs so wenige Geräte wie möglich installieren und betreiben zu müssen. Weitere Punkte waren die Integration der bestehenden Netzwerkkomponenten sowie ein angemessenes Preisniveau. "Wir haben uns schließlich auch dieses Mal für Extreme Networks entschieden, da insbesondere die neuen BlackDiamond-20000-Switches extrem leistungsstark sind, sehr viele Ports pro Chassis unterbringen und für uns das beste Preis-Leistungs-Verhältnis boten", erklärt CTO Heiko Liebscher. "Und nach unseren Berechnungen macht sich die Investition bereits nach zwei Jahren bezahlt."
Netzaufbau in sechs Monaten
Ende 2008 bestellte der Norderstedter Carrier zunächst 16 Geräte vom Typ BlackDiamond 20808 bei Extreme Networks, weitere acht Geräte folgten im Laufe des Jahres 2009. Der Aufbau des neuen Netzwerks erfolgte zwischen Dezember 2008 und Juni 2009. Dabei verlegten rund 30 Partnerfirmen mehr als 700 Kilometer Glasfaser unterhalb der Großstadt Hamburg. Weitere 100 Kilometer Kupferkabel kamen dazu, um die insgesamt 19.000 Wohnungseingänge zu rund 1.100 Übergabepunkten zusammenzufassen. Die Zahl der POPs in Hamburg selbst wuchs in diesem Zusammenhang von neun auf 20 an. Bei der Planung des Netzdesigns und bei der Installation der Switches in den POPs unterstützten die Professional Services von Extreme Networks den Stadtnetzbetreiber.
Jeder POP ist heute mit mindestens einem der neuen Provider-Aggregation-Switches ausgestattet. Jeder BlackDiamond 20808 ist dabei komplett redundant ausgebaut, um eine hohe Verfügbarkeit des Netzes sicherzustellen. So befinden sich in jedem Gerät mehrere Netzteile, redundante Forwarding-Engines, Switching-Fabrics und Management-Module und auch die jeweils acht 10-Gigabit-Ethernet-Uplinks des Backbones führt der Carrier über zwei getrennte Blades nach außen. Um den Verkehrsfluss weiter zu optimieren und die Ausfallsicherheit des Netzwerks noch weiter zu erhöhen, setzt das neue Netz der wilhelm.tel nun auf eine vermaschte Struktur. Jeder POP ist dazu über mehrere Uplinks mit anderen POPs des Netzes verbunden. "Wir haben in jedem POP mindestens 16 10-Gigabit-Ethernet-Ports und je nach Zahl der Übergabepunkte entsprechend viele 1-GBE-Ports", freut sich Heiko Liebscher. "Trotzdem ist durch die Switching-Kapazität von 2 TBit/s pro Backbone-Switch hier noch viel Luft für Wachstum."
Die im alten Netzwerk eingesetzten BlackDiamond-12000-Switches wurde durch 20808-Switches ersetzt. Doch die Geräte gehören noch lange nicht zum alten Eisen. Denn für einen Unternehmenskunden im Großraum Hamburg hat wilhelm.tel damit ein leistungsfähiges MPLS/VPLS-Netz aufgebaut und darüber dessen 40 Außenstellen miteinander verbunden.
Management und Provisioning
Auch die IT-Kollegen des CTOs, die mit der Konfiguration und Administration der Switches betraut sind und täglich mit den Produkten arbeiten, sind mit dem neuen Netzwerk hoch zufrieden. "Für uns ist insbesondere die Servicemanagementsoftware Ridgeline Service Advisor von Extreme Networks ein Segen", erklärt Thorsten Krohn, Head of Network Operations bei wilhelm.tel. "Denn mit dem leistungsstarken Werkzeug können wir unsere Dienste nicht nur reaktiv überwachen, sondern auch viel einfacher als früher proaktiv administrieren." Sein Kollege Malte Kock, Head of Network Development bei wilhelm.tel, hat hingegen mit den XML-Schnittstellen des modularen Betriebssystem ExtremeXOS der Switches noch viel vor: "Ich sehe hier tolle Möglichkeiten sowohl im Sicherheitsbereich als auch beim Provisioning, um beispielsweise über Skripte zahlreiche Administrationsvorgänge zu automatisieren", so der IT-Spezialist.
Leistungsstarke Plattform für Open Network
Insgesamt hat wilhelm.tel in den letzten beiden Jahren rund 40 Millionen Euro in den Ausbau seines Triple-Play-Netzwerks auf Basis von Ethernet in Hamburg investiert. Rund 250.000 Kunden darf das Unternehmen heute mit mehr als 300 TV-Programmen, Telefonie und schnellem Internetzugang über sein Netzwerk versorgen. Jede Woche kommen im Schnitt zwischen 200 und 300 neue Kunden hinzu.
Mit dem vermaschten Backbone auf Basis der neuen BlackDiamond-20000-Switches von Extreme Networks ist das Stadtnetz auch für großes Wachstum gut gerüstet. Daher plant wilhelm.tel aktuell, sein Netzwerk einschließlich der 100-MBit-Zugänge zu den Häusern seiner Kunden auch anderen Carriern zu öffnen. Zu diesem Zweck entwickelt der Netzbetreiber gerade einen Standard für die Zusammenschaltung von Netzen auf Dienstebene. Die Produkte von Extreme Networks spielen auch dabei eine zentrale Rolle. "Extreme ist zwar nicht der größte Anbieter, aber die Produkte sind gerade was das Betriebssystem und die ASICs betrifft ziemlich einzigartig", schließt Heiko Liebscher. "Bei der Hardware spielt Extreme Networks bereits ganz vorne mit und auch die Softwareentwicklung lässt für dieses Jahr noch Großes erwarten."
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